Schlagwort: Blogs

Ein paar Worte zur Kommentar-Kultur in deutschen Blogs

Ein “Hach” oder “Fahre Bahn” ist für viele Twitter-Nutzer Anlaß genug den Tweet zu kommentieren, zu retweeten oder gar zu favorisieren. Einige Facebook-Nutzer schaffen mit der Aussage “Mir ist langweilig” bis zu 50 Kommentare zu diesem Status. Ein Foto einer Currywurst auf Instagram hat mehr Interaktion als Curry auf der Wurst zu finden ist. Aber ein gut recherchierter Blogbeitrag in dem mitunter einiges mehr an Aufwand steckt als ein “Hach“, ein “Mir ist langweilig” oder ein Klick mit der Handykamera, kann einer froh sein wenn sich wenigstens die Spammer um die Kommentare kümmern, zur Not gerne auch mal Trolle.

Das ist leider keine überspitzte Darstellung, sondern Realität im Großteil der deutschen Blogosphäre, mit Ausnahme von reichweitenstarken Blogs. Und hier hat man – betrachtet man sich die Kommentare beliebiger Artikel dieser Blogs – auch eher das Gefühl, dass es den Kommentierenden weniger um die Diskussion als mehr um den Fame geht, der möglicherweise durch einen lapidaren Kommentar (“Toller Artikel, ganz meine Meinung“) nebst dem obligatorischen Link zum eigenen Blog übertragen wird.

Warum aber ist das so? Warum fällt es leichter einen Tweet zu beantworten oder einen Facebook-Status zu kommentieren als nach dem Lesen eines Blogbeitrags seine eigene Meinung durch einen Kommentar einzubringen?

Liegt es daran, dass man bei Twitter, Facebook, Instagram und Co. sowieso “gerade eingeloggt ist” und dadurch ein paar Tastaturanschläge weniger benötigt? Ist es tatsächlich für viele Blogleser unzumutbar nach dem ganzen täglichen Getippse neben einer kurzen Wertschätzung des Artikel oder gar einer anderen Meinung seine Email-Adresse und seinen Name zusätzlich zum Kommentar zu tippen?

Oder ist es tatsächlich so, dass der Kommentar möglicherweise nicht die Aufmerksamkeit wie bei Twitter oder Facebook erhält und damit uninteressant erscheint?

Ich für meinen Teil habe beschlossen zukünftig jeden Blogartikel den ich vollständig lese nicht ohne einen Kommentar zu verlassen. Sei es ein “Dankeschön” für den Artikel oder ein “Da bin ich Deiner/anderer Meinung, weil…” und am besten ohne Angabe der eigenen Blog URL, damit man mir nicht nachsagen kann ich würde das nur wegen der Links machen.

Wer macht mit?

Blogs in der Ära des dezentralisierten Individuums

1988 kam Shoshana Zuboff auf die Idee drei eigens ernannte Thesen in Ihrem Buch In the Age of the Smart Machine zu formulieren, sie waren einfach und sind heute relevanter denn je.

1. Alles, was digitalisiert und in Information verwandelt werden kann, wird digitalisiert und in Information verwandelt.

2. Alles, was automatisiert werden kann, wird automatisiert.

3. Jede Technologie, die zum Zwecke der Überwachung und Kontrolle kolonisiert werden kann, wird, was immer auch ihr ursprünglicher Zweck war, zum Zwecke der Überwachung und Kontrolle kolonisiert.

Aktuell arbeitet die Harvard Ökonomin, die in einem Landhaus in Maine wohnt, an einem neuen Buch: Information Civilization. Wenn ihre visionären Thesen als Gradmesser ihrer Kompetenz zu sehen sind, ist das neue Buch ein inoffizieller Lesebefehl. Sie beschreibt die Welt des dezentralisierten Individuums im postmateriellen Massenkonsum, und warum wir einen neuen sozialen Entwurf brauchen.

Blogs, die persönlich, unabhängig und auf dem eigenen Server liegen, sind Vorboten der freien, vernetzten, digitalen Schnittstellen in der Ära des dezentralisierten Individuums. Ai Weiwei meinte mal: Anzüge sind das Gegenteil von Individualität. „Soziale“ Medien à la Facebook sind Anzüge im Pausenhof des Internets, umso wichtiger sind dezentrale, freie Blogs – schon längst da, nur ungleichmäßig verteilt.

Interview mit Katharina Leuck von LEISE/laut

Katharina ist Diplomübersetzerin und bloggt seit zwölf Jahren, chapeau. Ihr erster Blog war in Amerika beheimatet, wo sie über zwei Jahre gelebt hat. Ende 2007 ging LEISE/laut live, das sich mittlerweile zu einer Perle unter den unabhängigen Musikmagazinen im Blogstil entwickelt hat. Katharina hat Kraftklub auf dem Stadtfest in Osnabrück entdeckt und wenig später interviewt. Das war 2010, wo sie als Vorband vor zehn Leuten gespielt haben.

Weiterlesen